Schreiben, um zu verkaufen. Ein Kinderspiel?

Schreiben, um zu verkaufen

Das Schreiben ist kein Zuckerschlecken. Ist das Leben als Schriftstellerin so, wie man sich das vorgestellt? Ja, aber es ist verdammt hart.

Schreiben heißt nicht automatisch gut zu schreiben

Dabei hatte ich gedacht, das Buch zu schreiben wäre die Schwerarbeit. Zumindest bei meinem Erstling. An Gas und Galle habe ich lange geschrieben. Das Gefühl danach war unglaublich. MEIN Buch war fertig. Alles Weitere konnte ja nun nicht mehr so schwer sein. Oder? Wir leben schließlich in der schönen neuen Welt der Selfpublisher. Einfach in Eigenregie sein Buch veröffentlichen? Davon konnte man vor einigen Jahren nur träumen. Der Erfolg liegt also quasi auf der Straße. Tat er natürlich nicht. Aber warum ist das so? Warum steigt man in einer Zeit, in der jeder wenigstens für eine Viertelstunde berühmt sein kann, nicht kometenhaft nach oben?

Schreiben bedeutet in erster Linie überarbeiten

Die Rohschrift war fertig und wartete auf Überarbeitung. Das war mir soweit schon klar. Immerhin hatte ich Berge an Schreibratgebern gelesen. Trotzdem habe ich mich an die meisten Ratschläge nicht gehalten. Für mich galt natürlich nicht, was für alle anderen galt. Die Verfasser dieser Ratgeber kannten mich schließlich nicht. Bei mir handelte es sich immerhin um ein Naturtalent. Dennoch habe ich mich dazu herabgelassen, meinen Text wenigstens einmal durchzulesen. Der Rest wurde dann im Korrektorat erledigt. Damit war die Sache für mich geritzt. Ich hatte eine abgeschlossene Geschichte. Der Text holperte zwar, dafür hatte ich ein schickes Cover. Vielleicht habe ich es wirklich einem gewissen Talent zu verdanken, dass das nicht schlimmer ausgegangen ist.

Die Idee, die im Plotloch verschwindet

Löcher im Plot sind wie Löcher in der Ozonschicht – auf Dauer tödlich. Die Geschichte entsteht aus einer Idee. Aber nicht jede Idee taugt für eine ganze Geschichte. Dabei können meistens die Einfälle, die ich ziemlich Hammer finde, selten die ganze Geschichte tragen. Um das zu kompensieren, müssen Nebenhandlungen herein. Hierbei darf man nur nicht den Fehler machen, den Nebenhandlungen zu viel eigenen Raum zu geben. Die Nebenhandlung hat zwar ihre eigene Dynamik, soll aber den Hauptplot tragen, nicht ersetzen. In dem Moment, wenn ich merke, dass ich nicht wenigstens 50% mit dem Hauptplot bestreiten kann, verwerfe ich die Idee, so weh es mir auch tut. Oder baue sie halt in einen Nebenstrang ein.

Der Ton macht die Musik und das Cover die Geschichte

Ein Cover kann einen mangelhaften Text natürlich nicht verbessern. Ein schlechtes, unprofessionelles Cover den Leser jedoch abschrecken, auch wenn der Text noch so gut ist. Hier wurde mir das erste Mal richtig bewusst, das Schreiben auch Marketing ist. Das Cover ist das Aushängeschild meiner Geschichte. Wie ein schönes Kleid, das an der Stange hängt. Allerdings hängen an der Stange noch jede Menge andere Kleider. Deswegen muss meines herausstechen, um überhaupt bemerkt zu werden. Selbst ein Cover erstellen? Lasst das! Es sei denn, ihr seid selbst Grafikdesigner. Das Geld, das ihr da investiert, ist gut angelegt. Damonza ist eine gute Anlaufstelle. Wenn das Geld für ein individuelles Cover nicht reicht, schaut euch mal bei den Premade-Covern um.

Rechtschreibung gehört zum guten Ton

Ich habe nie die Notwendigkeit eines Korrektorats in Frage gestellt. Das halte ich für eine Grundvoraussetzung, um den Leser zu begeistern. Allein das Schreiben reicht dafür nicht. Über das Lektorat kann man geteilter Meinung sein. Natürlich ist das auch ein Kostenfaktor, der für mich als Selfpublisher nicht leicht zu stemmen ist. Daher verzichte ich darauf. Dafür plotte ich mittlerweile sehr akribisch. Ich versuche also, die Arbeit als Lektor so gut wie möglich zu erfüllen. Dafür nutze ich den Schlachtplan oder den Plot-Tracker. Die endgültige Korrektur vertraue ich allerdings wieder einem Profi an. Ich werde manchmal den Eindruck nicht los, bei den Selfpublishern wird erheblich genauer auf die Rechtschreibung geschaut. Dabei ist kein Roman fehlerlos, auch der Verlagsroman nicht. Nur bei Eigenverlagen bekommt ein Fehler wesentlich mehr Gewicht.

Fleiß und Beharrlichkeit sind auch hier Tugenden

Das Buch zu schreiben ist die eine Sache. Es zu verkaufen, die andere. Erfolgreich damit zu sein, noch eine ganz andere. Fakt ist, dass es mit dem Erstling in den seltensten Fällen klappt. Leider verlieren viele nach der ersten Geschichte die Lust. Das ist schade. Denn der beste Erfolgsgarant ist, kontinuierlich zu schreiben. Der nächste Roman ist die beste Werbung für den vorherigen. Hier entscheidet sich, ob du dein Leben dem Schreiben opfern willst. Denn machen wir uns nichts vor, darauf läuft es hinaus. Nicht jeder ist ein One-Hit-Wonder wie E.L. James. Ihre Shades of Grey bestanden zwar aus drei Teilen, sind jedoch eine Serie. Daher sehe ich sie als eine Geschichte. Ob James nochmal jemals etwas Anderes veröffentlicht, bleibt fraglich. Daher sollte man sich ehrlich die Frage beantworten: Will ich reich und berühmt werden? Wenn ja, ist Schreiben vielleicht nicht der richtige Weg.

Schreiben nur für die Schublade?

Wie erreiche meine Leser, ohne einen Werbeblock im Fernsehen kaufen zu müssen? Im Geschäftsleben spricht man vom Marketing-Mix. Die Mechanismen kann man durchaus auf das Verkaufen von Büchern übertragen. Das bedeutet, ich verlasse mich nicht ausschließlich auf Facebook, um meine Bücher publik zu machen. Überhaupt halte ich Facebook bei der Werbewirkung für überschätzt. Es ist besser, sein Buch auf einschlägigen Seiten wie z.B. Xtme, eBook-Sonar oder Leserkanone vorzustellen. Vorher kann man eine Leserunde bei Lovelybooks starten, um bereits ein paar Rezensionen zu bekommen. Bücher ohne Rezensionen schrecken irgendwie ab. Das muss ich sträflicherweise an mir selbst feststellen, obwohl ich eigentlich sensibilisiert für das Thema sein sollte. Buchmarketing ist wie ein mit verschiedenen Gewürzen gut abgeschmecktes Gericht. Zuviel Salz würde alles verderben.

Wie ich lernte, Kritik zu lieben

Kritik ist nichts Schlechtes, dennoch scheue ich sie. Warum? Weil man mir ein Können abspricht, das ich so verzweifelt gerne haben will? Weil man mir persönlich weh tun möchte? Oder ist es Neid? Das ist immerhin ein typisches Leiden der Menschheit. Weil die Leute gerne ungefragt ihr Meinung in die Weltgeschichte posaunen? Das ist mittlerweile auch so ein Massenphänomen. Aber ganz egal, welche Motivation mein Leser hat, meine für mich perfekte Geschichte zu bemängeln, heute atme ich tief durch und lese die Kritik den nächsten Tag nochmal. Denn in der Regel ist etwas Wahres dran. Ich muss mir nicht jeden Schuh anziehen und bei ungerechtfertigter Kritik kann ich auch fuchsig werden, trotzdem kann ich zumindest probieren, ob mir der Schuh nicht doch vielleicht passt. Dann mache ich es beim nächsten Buch einfach besser,

Man muss lieben, was man tut. Das gilt nicht nur für das Schreiben. Vielleicht stellt man bei der Arbeit an seiner Geschichte ja fest, dass einem das eigentlich gar nicht keinen Spaß macht. Dann ist es keine Schande, damit aufzuhören. Man hat es immerhin probiert.

 

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